Tag der Hernie

Der Aktionstag „Tag der Hernie“ wurde am 3. November 2018 von uns ins Leben gerufen. Damit sollen die verschiedenen Hernienerkrankungen sowie die Unterstützungsmöglichkeiten durch unseren Verein für Betroffene und Angehörige in der Öffentlichkeit besser bekannt gemacht werden. Der Aktionstag findet anlässlich des Todestages des Künstlers Henri Matisse statt, der selber unter Hernien gelitten hat. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat unseren Aktionstag in ihr Verzeichnis der Gesundheitstage aufgenommen. Damit erkennt sie die Bedeutung der Selbsthilfe für die Betroffenen an und zeigt uns ihre hohe Wertschätzung unserer Aktivitäten.

Im Jahr 2020 finden wieder verschiedene Aktionen anlässlich des Tages der Hernie statt:

  • 31.10.2020 10.00 – 13.00 Uhr Stand in der Stadtbücherei Hagen
  • Weitere Aktionen sind für den 3.11.2020 mit Kliniken in Hagen, Unna, Dortmund und Ratingen in Vorbereitung. Weitere Informationen folgen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Carola Häussler, die im Jahr 2018 mit ihrem Betroffenenbericht einen Beitrag zu unserem 1. Tag der Hernie geleistet hat:

Anlässlich des 1. Aktionstages „Tag der Hernie“ am 3. November 2018, und aus tiefer Dankbarkeit für die mir entgegen gebrachte Hilfe und Unterstützung von Frau Simone Siegfried und Herrn Dr. Conze, möchte ich mit meiner Geschichte die Menschen für eine Thematik sensibilisieren, die im Grunde jeden treffen kann.

Mein Name ist Carola Häußler, ich bin 59 Jahre alt, Künstlerin und seit Jahren Risikopatientin, wegen eines GEN-Defekts mit Neigung zu weiteren Lungenembolien, Marcumareinnahme (Medikament zur Blutverdünnung) und Asthmatikerin.
Im August 2011 zog ich mir durch eine heftige Sommergrippe einen großen Bauchwandbruch bzw. eine epigastrische Hernie zu, die für mich zu diesem Zeitpunkt noch keine so große Gefahr darstellte, außer, dass der Bauch immer größer wurde und ästhetisch nicht besonders schön aussah.

Innerhalb der kommenden 5 Jahre war mir auch gar nicht so richtig bewusst, dass diese Hernie eine tickende Zeitbombe ist. Jederzeit hätte sich eine Darmschlinge in den Bruch einklemmen und somit eine akute Behandlungssituation, sprich Not-OP, nach sich ziehen können. Im Oktober 2016 trat dann genau diese Situation ein – ich erwachte auf Grund von extremen Schmerzen im Bauchraum und versuchte instinktiv, den Darm in die Bauchhöhle zurück zu drücken, was mir letztendlich auch irgendwie gelang.

Danach war aber nichts mehr so wie vorher. Getrieben von der Angst, dass es wieder passieren könnte, erlebte ich ein wahres Martyrium. Denn kein Arzt wollte mich operieren…

„Sie müssen lernen mit dem Bauchwandbruch zu leben, bei Ihren Vorgeschichten ist eine Operation unmöglich.“

„Sie sind doch selber schuld, wenn man so dick wie Sie ist…“

„Die Chancen des Überlebens stehen 50/50 bei einer Not-OP – damit müssen Sie sich abfinden.“

Dieses und noch viel mehr musste ich mir von verschiedenen Fachärzten anhören, die ich Hilfe suchend in meiner Not aufgesucht hatte.

In meiner großen Angst quetschte ich mich Tag und Nacht in einen eng anliegenden Bauchgurt. Ich schlief nur noch in Rückenlage und baute mein Bett so um, dass ein seitliches Schlafen unmöglich war. Damit wollte ich ein Hineinrutschen des Darmes in den Bauchwandbruch verhindern.
Außerdem stellte ich die Ernährung komplett um, damit der Darminhalt extrem weich blieb. Sportaktivitäten machte ich nur mit großer Angst. Ich traute mich überhaupt nicht mehr wegzufahren, geschweige denn in den Urlaub …
Vor jeder noch so kleinen Fahrt erkundigte ich mich, ob es vor Ort ein Krankenhaus gibt, in dem ich notfalls operiert werden könnte. Mein Klinikköfferchen lag stets fertig gepackt im Auto, genau wie alle Unterlagen, die ich überall positioniert hatte.

Nach über einem Jahr verzweifelter Suche lernte ich über Facebook Frau Simone Siegfried kennen, die im Oktober 2016 die erste und einzige Hernien-Selbsthilfegruppe in Deutschland gegründet hatte. Mit ihrer Hilfe lernte ich Herrn Dr. Joachim Conze aus München kennen, ein Spezialist im Bereich der Hernienchirurgie und gleichzeitig ein wundervoller, sehr verständnisvoller Mensch. Herr Dr. Conze hat mich nicht nur hervorragend beraten, aufgeklärt und informiert… nein, er hat sich auch getraut, mich in örtlicher Betäubung mit Dämmerschlaf (also ohne Vollnarkose) von meinem Bauchwandbruch zu befreien. Aufgrund des großen Defektes hat er dafür ein Kunststoffnetz zwischen die Bauchwandschichten eingelegt, in der Fachsprache nennt man dies praeperitoneale Netzaugmentation. Die Operation fand im November 2017 statt. Nach nur 3 Tagen war ich wieder Zuhause …… und das Ergebnis ist phänomenal!!!

Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie glücklich er mich durch die Operation gemacht hat. Er hat mir ein neues Leben geschenkt und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Als Künstlerin (www.die-pastelline.de) habe ich mich nun erneut mit dem Thema Hernie (aus dem Lateinischen übersetzt heißt Hernie „Knospe“) beschäftigt und es bildhaft umgesetzt. Mit großer Freude habe ich nun mein handsigniertes Gemälde „Die Knospe“ als großes Dankeschön an Dr. Conze überreicht.