Äußere Hernien

Leistenhernie – Leistenbruch

Die Leistenhernie ist die häufigste Form der Hernie (80 %). Im Laufe ihres Lebens erkranken 25 % der Männer (bedingt durch eine anatomische Schwachstelle) und 3 % der Frauen an einem Leistenbruch.

Die Leistenhernie tritt oberhalb des Leistenbandes in Erscheinung. Ein Hinweis auf eine Leistenhernie ist eine zunächst schmerzfreie Vorwölbung in der Leiste. Schmerzen können bei körperlicher Belastung oder nach langem Sitzen in Erscheinung treten. Ferner können Schmerzen auftreten, wenn sich die Leistenhernie vergrößert. Im Liegen kann die Vorwölbung auch wieder weggehen.

Ein Leistenbruch geht nicht von alleine weg und muss, aufgrund der Einklemmungsgefahr von Organen, irgendwann operiert werden. Frauen mit einer Leistenhernie müssen auf jeden Fall operiert werden, da sich auch eine Schenkelhernie entwickeln kann und die Einklemmungsgefahr von Organen im Vergleich zu Männern deutlich höher ist. Die Sterblichkeit beträgt bei den Leistenhernien insgesamt 0,1 %, in Abhängigkeit von den Vorerkrankungen. Innerhalb einer Notfall-Op ist die Sterblichkeitsrate 10 Mal höher.

Die aktuelle Leitlinie der HerniaSurge Gruppe empfiehlt das kontrollierte Warten („watchful waiting“) als eine mögliche Behandlung der männlichen Patienten mit asymptomatischem Leistenbruch.*

Schenkelhernie – Schenkelbruch

Bei einem Bruch unterhalb des Leistenbandes spricht man von einer Schenkelhernie. Die Vorwölbung tritt dabei an der Oberschenkelinnenseite in Erscheinung. Obwohl das Krankheitsbild der Schenkelhernie nur knapp sieben Prozent aller äußeren Hernien ausmacht, gibt es Schätzungen, dass ca. 80 % der Schenkelhernien bei Frauen auftreten (Quelle: www.hernia-guide.com/hernien-arten/schenkelhernie-schenkelbruch/)

Schenkelhernien sind schmerzhafter als Leistenhernien und klemmen im Vergleich zu diesen eher ein. Wegen der häufigeren Gefahr der Einklemmung mit Durchblutungsstörung (Inkarzeration) empfehlen Ärzte in der Regel eine zügige Operation.

Narbenhernie – Narbenbruch

Die Bauchwand nach einer Bauchoperation besitzt aufgrund der Narbe nicht mehr die gleiche Stabilität wie vor der Operation. Infolge dessen können im Bereich von Narben Narbenhernien auftreten.

Die Entstehung von Narbenhernien wird u. a. durch die bereits oben genannte Bindegewebsschwäche, Übergewicht, eine Wundinfektion bzw. Wundheilungsstörung im Rahmen der Voroperation(en) begünstigt. Der Konsum von Nikotin nach einer Operation erhöht das Risiko für das Entstehen einer Narbenhernie um den Faktor 4.

In Deutschland gibt es jedes Jahr 100.000 Narbenbrüche. Eine im Bereich der Narbe auftretende Vorwölbung ist charakteristisch für einen Narbenbruch. Je nach Größe der Narbenhernie können die Betroffenen einen ziehenden Schmerz bemerken.

Auch Narbenhernien können sich im Laufe der Zeit vergrößern und die Anforderungen an eine Operation wachsen lassen. Des Weiteren ist auch bei Narbenhernien eine Einklemmung von inneren Organen nie sicher auszuschließen.

Nabelhernie – Nabelbruch

Eine Nabelhernie entsteht an einer Schwachstelle der Bauchwand im Bereich des Nabels. Die auftretende Vorwölbung verursacht in der Regel keine Beschwerden. Durch den erhöhten Bauchinnendruck entsteht eine Nabelhernie gerne während einer Schwangerschaft. Auch beim Nabelbruch spielt Übergewicht eine Rolle bei der Entstehung.

Nabelbrüche, auch kleine, bergen das Risiko der Einklemmung von Darmanteilen.

Parastomale Hernie – Ein Bruch in der Umgebung eines künstliches Ausgangs:

Mit einem Stoma meint man einen künstlichen Darmausgang oder eine künstliche Harnableitung in Form einer Öffnung durch die Haut nach außen. Die Anlage eines Stomas kann z. B. im Rahmen einer Krebsoperation notwendig werden und dauerhaft oder vorübergehend erfolgen.

Es gibt drei Formen von Stomata: das Colostoma (Dickdarmausgang), das Ileostoma (Dünndarmausgang) und das Urostoma (Urinableitung).

Parastomale Hernien sind Eingeweidebrüche, die neben (griech. para) bzw. in der Umgebung von einem Stoma auftreten.

Parastomalen Hernien stellen die häufigste Komplikation eines Stomas dar.

Die Ausbildung einer parastomalen Hernie wird durch verschiedene Faktoren begünstigt; z. B. durch die bereits genannte angeborene Kollagenstoffwechselstörung, Übergewicht, Wundheilungsstörungen, Blutungen und Wundinfektionen. Sie werden aber auch durch Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit und Krebs, sowie durch Medikamente (z. B. Kortison), begünstigt.

Epigastrische Hernie – Oberbauchbruch

Die epigastrische Hernie entsteht durch eine Lücke in der Bauchwand zwischen dem Bauchnabel und dem Brustbein. Die Lücke befindet sich im Bereich der sog. Linea Alba. Dies ist ein Sehnenstreifen, der von der Sehnenhaut der seitlichen Bauchmuskulatur gebildet wird. Bei der Krankheitsentstehung spielen auch die bereits oben genannte Bindegewebsschwäche, Übergewicht und ein erhöhter Bauchinnendruck eine Rolle. Eine epigastrische Hernie kann Schmerzen verursachen, muss es aber nicht.

Rektusdiastase

Als Rektusdiastase bezeichnet man das Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur. Sie ist keine Hernie im klassischen Sinn. Da sie gerne in Verbindung mit einem Nabelbruch auftritt, soll sie hier der Vollständigkeit halber genannt werden. Eine Operationsindikation besteht nur bei Beschwerden.

Eine seltene äußere Hernie stellt die sog. Spieghel-Hernie dar. Die Spieghel-Linie ist die Muskel-Sehnen-Grenze des quer verlaufenden Bauchmuskels am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels.

*Fitzgibbons et al 2006, Watchful Waiting vs. Repair of Inguinal Hernias in Minimally Symptomatic Men

*Kommentar : http://dx.doi.org/10.1097/SLA.0000000000002243

*The HerniaSurge Group, International guidelines for groin hernia management, Hernia (2018) 22:1 165