Neuere Operationsverfahren

MILOS: Mini- or Less Open Sublay und Endo-Sublay

Die Versorgung von Bauchwandhernien kann nicht nur mit offenen oder minimalinvasiven Methoden (Schlüsselloch-Chirurgie) erfolgen, sondern auch mithilfe einer Kombination dieser beiden Verfahren (Hybridverfahren). Es handelt sich um eine minimalinvasive Weiterentwicklung der Sublay-Methode. MILOS steht für Mini- or Less Open Sublay.

Das MILOS-Verfahren wurde von Dr. Wolfgang Reinpold am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand entwickelt. Die Veröffentlichung in der chirurgischen Fachzeitschrift „Annals of Surgery“ bestätigte im Jahr 2018 ein signifikant geringes Komplikationsrisiko.

Das MILOS-Verfahren kann nur unter Vollnarkose durchgeführt werden. Zunächst führt der Chirurg einen kleinen Schnitt (ca. 5 cm) über der Hernie durch und bringt eine Kamera und die Operationsinstrumente in den Bauchraum ein. Das Bauchfell, das die Eingeweide umhüllt, stülpt sich bei einer Bauchwandhernie durch die Lücke nach außen. Der Chirurg entfernt dieses vorgewölbte Bauchfell aus der Lücke und vernäht es. Mithilfe der endoskopischen Instrumente zwischen dem Bauchfell und dem Bindegewebe wird ein geeignetes Kunststoffnetz ausgerollt und schonend befestigt. Dann wird die Bruchlücke der Bauchwand über dem Kunststoffnetz verschlossen. Das Netz muss nicht beschichtet sein, da es nicht mit den Eingeweiden in Berührung kommt. Es muss nicht fixiert werden. Somit werden Schmerzen, die beim IPOM-Verfahren durch die Netzfixierung entstehen können, vermieden. Die Narbe, die nach diesem Verfahren entsteht, ist sehr klein.

Die Vorteile der MILOS-Methode:

– Das Trauma durch die Operation ist gering, dadurch entstehen weniger Schmerzen nach der Operation als bei anderen Verfahren. Das Bauchfell wird nicht verletzt.

– Es gibt weniger Komplikationen wie Blutungen, Entzündungen oder Organverletzungen

– Die Mittellinie der Bauchwand wird wiederhergestellt

-Durch die kleinen Schnitte wird ein kosmetisch gutes Ergebnis erzielt

– Weniger Wiederholungsbrüche

– Schnelle Belastbarkeit nach der Operation

Dieses Verfahren stößt bei bestimmten Befunden an seine Grenzen. Es kann z. B. nicht angewendet werden, wenn die Bruchlücke sehr groß ist, wenn sich die Narbenhernie an der Seite der Bauchwand befindet oder wenn ausgeprägte Verwachsungen im Bauchraum vorhanden sind.

E-MILOS:

Dieses Verfahren wurde von Dr. Schwarz und Professor Bittner entwickelt. E-MILOS steht für Endoskopische Minimal Offene Sublay. Die Verfahren ermöglicht es, auf endoskopischen Weg die gesamte vordere Bauchwand mit einem entsprechend großem Netz zu stabilisieren. Auch bei diesem Verfahren dringt der Operateur nicht in die Bauchhöhle vor. Dies hat auch hier den Vorteil, dass das schmerzempfindliche Bauchfell nicht verletzt wird.

MILOS und E-MILOS können sehr gut bei Brüchen in der Mittellinie der Bauchwand und bei einer Rektusdiastase (Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur) angewendet werden. Beide Verfahren sind aufwändig und eher teuer. Der Operateur braucht viel Erfahrung um die Technik zu beherrschen und um keine Verletzungen herbeizuführen.

Quelle: milos-hernia-repair.com

Mini- or Less-open Sublay Operation (MILOS): A New Minimally Invasive Technique for the Extraperitoneal Mesh Repair of Incisional Hernias

Endo-Sublay in der “Ratinger Technik”

Das endoskopisch durchgeführte Sublay-Verfahren wurde am St. Marien Krankenhaus Ratingen entwickelt. Die erste Idee zu diesem modifizierten Verfahren entwickelte Dr. Richard Klatt.

Das Endo- Sublay Verfahren hat ebenso das Ziel, den Bruch im Raum hinter der Bauchmuskulatur (retromuskulärer Raum) mithilfe eines Netzes abzudecken. Das Verfahren wird, im Gegensatz zum konventionellen Vorgehen, durch kleinere Schnitte im Oberbauchbereich durchgeführt. Hiernach wird der Raum hinter der Bauchmuskulatur ohne Eröffnung des Bauchfelles soweit freipräpariert, bis ein Netz eingelegt werden kann, welches in der Ratinger Methode lediglich durch zwei Nähte fixiert werden muss. Entscheidend ist der gleichzeitige Verschluss der Bruchlücke durch eine Naht. Diese wird entweder endoskopisch oder durch einen zusätzlichen  2mm-Minischnitt im Bereich des Bruches durchgeführt.

Das Verfahren, welches in Ratingen seit über 2 Jahren regelmäßig bei Brüchen der Mittellinie ( Nabel-, Narben oder sog. epigastrische Brüche ) bis zu einem Bruchdurchmesser von 4 cm erfolgreich und komplikationsarm durchgeführt wird, bietet für die Patienten eine gute Alternative zu den anderen Verfahren. Zudem bietet es die Möglichkeit, in gleicher Sitzung auch mitbestehende Leistenbrüche im TEP-Verfahren, ohne weitere Schnitte,  in einer Sitzung zu versorgen.

Die Indikation ist auf Patienten/Innen mit kleineren Brüchen und hohem BMI (Adipositas Grad II / III) konzentriert. Auch dieses Verfahren setzt eine Menge Erfahrung auf dem Gebiet der endo/laparoskopischen Hernienversorgung voraus, ist aber für erfahrene Operateure gut zu erlernen. Die Kosten liegen auf dem Niveau der Standardverfahren. Langzeitergebnisse liegen naturgemäß noch nicht vor.